Blogstöckchen: Kindheit

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Die so bewundernswert beständige Bloggerin kaltmamsell hat ein Blogstöckchen zu Kindheitserinnerungen geworfen und als spätberufene und weitaus nicht so beständige Bloggerin mache ich da sehr gerne mal mit.

1. Welches war dein erstes Stofftier und was verbindest du damit?

Wenn ich versuche mich zu erinnern, taucht das vage Gefühl auf, dass ich ein sehr geliebtes, sehr wichtiges Stofftier hatte, aber ich weiß die Tierart nicht mehr, war es ein Bär? Ich kann es nicht mehr mit Sicherheit sagen. Deutlicher habe ich eine Katze in Erinnerung, deren Pfoten auf solche Weise geformt war, das man die Hand hineinstecken konnte und sie sich sozusagen an einer festklammerte. Ich fand die Idee vollkommen hilarious und war sehr stolz auf diese Katze, muss aber zugeben, dass sie nicht so alltagstauglich war, nicht so kuschelgeeignet. Der Stoff war reine Kunstfaser, wie das in den 70ern ganz normal war, weder konnte man eine elektrostatische Aufladung verhindern noch durfte man mit einer Flamme zu nah an die Katze kommen. Zum Kuscheln und Schlafen hatte ich also mein anderes Stofftier, dessen genaues Aussehen in den Tiefen meiner Erinnerung verloren gegangen ist.

2. Wie stelltest du dir als Kind dein Erwachsenenleben vor?

Im Rückblick stelle ich fest, dass ich mir nicht viel vorstellte. Ich hatte mir mit 5 Jahren mit den Schulbüchern meiner Cousine das Lesen selbst beigebracht und las ab diesem Zeitpunkt alles, was mir in die Finger kam, Buchreihen für Kinder und Jugendliche, meist über Mädchen in Internaten oder in schwierigen sozialen Verhältnissen im Skandinavien des 19. Jahrhunderts, Zeitschriften aus dem Lesezirkel, die meine Oma bekam, schnulzige Erwachsenenromane von Donauland, nach Schema F aufgebaute Kriminalromane, einfach alles, egal ob ich es richtig verstand oder nicht. Ich wusste, dass ich für den Rest meines Lebens viel lesen und dass das geistige Abtauchen in andere Welten für immer mein liebster Zeitvertreib bleiben würde. Und ich wollte immer Mutter werden.

3. Warst du ein eher leises oder eher lautes Kind?

Ich war eindeutig ein leises Kind, in dem Sinn, dass ich nicht viel Aufmerksamkeit einforderte. Wie gesagt, ich las sehr viel und wenn ich das tat, reagierte ich häufig nicht einmal, wenn man mich ansprach. Ich war meistens mit meiner Großmutter alleine, weil meine Mutter bis in den Abend hinein arbeitete. Meine Oma besorgte den Haushalt und das war auch einiges an Arbeit, mit schwer zu heizendem Haus und Gemüsegarten, wenn wir gefragt wurden, wie das mit mir ginge, hieß es immer: „Na, de Mira, de g’spiast goa net!“ Das machte mich stolz, denn ich wollte jedenfalls brav sein und die zwei Frauen, die mich versorgten und mein Leben bestimmten, nicht unnötig belasten. Durch das viele Lesen hatte ich einen großen Wortschatz und den gab ich bei Treffen in der Nachbarschaft des Provinzdörfchens, in dem wir lebten, gerne zum Besten, zum Gaudium der Anwesenden, was mir den Ruf einbrachte, „altklug“ zu sein.

4. Gab es etwas in deiner Kindheit, das du heute sehnsüchtig vermisst?

Die viele freie Zeit mit meiner Großmutter nach dem Kindergarten oder der Schule am Nachmittag, wo ich lesen und spielen konnte, ganz wie ich wollte, war das Schönste an meiner Kindheit. Es gab einen Bruch, als ich mit meiner Mutter mit 8 Jahren in die Hauptstadt zog, von da an war ich nachmittags in einem sogenannten Halbinternat betreut, mit nur noch strukturierter Zeit mit vielen anderen Kindern und das war ein radikaler und schmerzhafter Bruch, der mich eine Weile sehr belastet hat. Leider starb meine Oma wenige Jahre später auch überraschend und obwohl sie keine Ahnung von weißer Pädagogik hatte und eine emotional sehr zurückgenommene Person war, habe ich sie sehr geliebt und vermisse sie bis heute, habe oft das Gefühl, das sie da ist und mir über die Schulter schaut.

5. Welches Verhältnis hattest du als Kind zu Musik?

Musik in meiner frühen Kindheit kam ausschließlich aus dem Radio, das auf einem winzigen Wandregal über dem Esstisch in der Wohnküche stand und den ganzen Tag lief. Am eindrücklichsten war die in der Familie so genannte Erbschleichersendung auf Radio Niederösterreich, weil die meine Oma immer hören wollte. In ausnahmslos jeder Ausgabe dieser Reihe für Musikwünsche der Zuhörer:innen für ihre Geburtstag oder sonstige Jubiläen feiernden An- und Zugehörigen kam dieses Lied vor. (Ob meine Oma wohl darauf gewartet hat, dass wir uns auch mal für sie ein Lied wünschten? In einem Medium namentlich vorzukommen, schien damals noch so exotisch und unerreichbar, dass es wohl hieß, sie würden unsere Postkarte ohnehin nie auswählen…)

Aus demselben Radio kamen aber auch die Hits der damals aufkommenden Austropopper wie Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich oder andere schräge Auswürfe des beginnenden Kommerzpops und die Hitparade mit Udo Huber am Samstagabend war Fixtermin für die ganze Familie, speziell für meine älteren Cousinen. Von Wolfgang Ambros‘ Alben hatten die Cousinen später auch Kassetten und wir konnten alle Texte auswendig, meine Lieblingscousine und ich sangen die Lieder lauthals. Später, als wir schon in Wien wohnten, hatte ich einen eigenen kleinen Kassettenrecorder und nahm die jeweils aktuellen Hits auf, inklusive zu frühem Abbruch der Songs und Reingequatsche des Moderators. Die erste Langspielplatte, die ich mir selbst kaufte, als wir endlich über einen Plattenspieler verfügten, war „The Joshua Tree“ von U2.

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