Wieder zurück bei Körper und Verstand
Der Herbst ist da und es regnet ein bisschen, nicht viel, die Pegelstände der Flüsse haben sich wohl europaweit noch nicht großartig erholt. Aber es ist genug für etwas mehr Seelenruhe, die Apokalypse ist wieder weiter in den Hintergrund gerückt, die Vorstellung von Wasserknappheit ist nicht mehr so einfach leibesnah zu evozieren.
Natürlich gibt es mehr als genug andere apokalyptische Anlassfälle, die üblichen Monatshitzerekorde, im Nachhinein vermeldet, dann der neue Dauerbrenner Künstliche Intelligenz, die uns in Bälde den Garaus machen wird, zu 10% sicher in diesem Jahrzehnt, zu 50% sicher bis zum Ende des Jahrhunderts, sucht es Euch aus, je nach Marketingerfordernis und Angstlustlevel. Es ist seltsam, aber mich besorgt das nicht besonders, vielleicht weil ich KI immer noch nicht verwende. Ich denke generell in letzter Zeit über die Physis von Lebewesen und Dingen nach, über die Körperlichkeit von Menschen beispielsweise, und wie wir uns nach Leibes(haha)kräften darum bemühen, sie zu erhalten und zu bewahren. Und doch ist es vollkommen sicher, dass unser Werkzeug zur Weltwahrnehmung und -veränderung, das wir so selbstverständlich bewohnen und benutzen mit unserem eifrigen nervengebundenen Bewusstsein, eines Tages degeneriert, verendet und sich anschließend zersetzt. Die KI existiert ja wohl auch auf physischer Grundlage und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Maschinen in der Lage wären, ihre technischen Anlagen ohne das Zutun von Menschen in Betrieb zu halten. Ganz abgesehen von der Energie und den physischen Stoffen wie Metallen und anderen Werkstoffen und Wasser, wenn all das nicht mehr zur Verfügung steht, stirbt auch die Künstliche Intelligenz. Oder nicht? Vielleicht bin ich aber auch nicht informiert genug für die vorschriftsmäßigen apokalyptischen Visionen.
(Was ich jedenfalls weiß, ist, dass ich diesen Blog KI-frei halte, ich klopfe einfach selbst mühsam ein paar Gedanken ein, wenn ich KI verwenden würde, könnte ich öfter sinnfreie Einträge machen aber es würde nicht mehr nach mir klingen.)
A propos Körperlichkeit, seit dem vorletzten Schwumm zuckt es häufig und unwillkürlich in meinem linken Oberarm. Zuerst nur der Deltoideus, heute auch der Triceps (ich hoffe, die anatomischen Schaubilder, die ich konsultierte, sind richtig bezeichnet und nicht KI-Slop). Es ist der Bereich, der Anfang des Jahres schwer beleidigt war, durchgehend schmerzte und die kundige Aufmerksamkeit eines Physiotherapeuten brauchte. Seitdem und seit ich per professionellem Schwimmtraining am Armschlag gefeilt habe, sind die Schmerzen zum Glück nicht zurückgekehrt, ich frag mich, was die Zuckerei jetzt genau soll. Ist das ein freundliches inwendiges Anstupsen meiner Muskulatur an mich, aufmunternd, „nur weiter so, wir entspannen uns jetzt nach dem Training, du machst endlich alles richtig“? Oder ist es eine Warnung?
Insgesamt bin ich nämlich aktuell mit dem Trainiertheitszustand des Körpers ausnehmend zufrieden, alle Körperformen sitzen gut und sind für meine Begriffe ausreichend straff, zwei Kilometer schwimmen zweimal die Woche strengt mich über eine angenehme Erschöpfung am Abend nach dem Training hinaus nicht an, dazu täglich ein bisschen Rad fahren, perfekt. Es ist einigermaßen tragisch, aber jetzt, im vorgerückten Alter, bin ich tatsächlich körperlich so fit wie nie vorher in meinem Leben. Warum hab‘ ich das nicht früher probiert? Ich hätte schon als junge Frau mehr Sport machen können, regelmäßig gut hirnchemisch eingenebelt von Glückshormonen sein können, überirdisch schön, lebenszufriedener mit einer Aktivität, für die ich niemanden brauche und die ich mir immer leisten hätte können. Wobei, als die Kinder klein waren und ich kein Geld und niemanden zum Aufpassen hatte, hätte ich nicht regelmäßig Sport machen können. Der Frust wäre noch größer gewesen als er ohnehin schon war. Sei’s drum. Es ist jetzt wie es ist und es ist gut so.
Musik zum Tag: Ein Algo spülte mir Jestofunk heran, lange nicht mehr gehört oder dran gedacht.