Wasser

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Angst, es ist wieder die Zeit dafür, es tut mir sehr leid, dass ich Ihnen das mal wieder zumuten muss, aber der Sommer ist keine Zeit der Unbeschwertheit mehr, sondern es sind Monate der Angst. Manchmal lasse ich es zu, wenn ich in aufmerksamer und durchlässiger Stimmung bin, besonders beim Konsum von Nachrichten in Schrift- oder Bewegtbildmedien. Dann lasse ich die Angst durch mich hindurchrollen in großen Wellen, lasse sie anbranden an meinen inwendigen Grenzen, sorgsam darauf bedacht, sie nicht überfließen zu lassen, vor den anderen, die vielleicht ebenfalls Angst haben, wir wissen das nicht sicher voneinander.

Wir merken oft erst auf, wenn wir das Klopfen gegen das Fensterglas oder das sanfte Rauschen hören, es ist ungewohnt, es ist selten geworden, wir realisieren, es wäre eigentlich etwas Normales, aber nichts ist mehr normal. Jeder vorhergesagte Regen trocknet schon in der Wetterapp nach kurzer Zeit wieder weg. Wenn, dann kommt er an in Form von wenigen Tropfen, die die aufgeheizten Gehsteige und Fensterbretter sprenkeln, nur der Petrichorgeruch ist immer dabei aber ein Wolkenbruch wird selten daraus. Und selbst wenn, der ist ja nicht, was wir brauchen, einen Landregen brauchen wir, was immer das sein mag, Regen auf das Land oder auf dem Land oder ins Land, jedenfalls länger als diese jetzt übliche halbe Stunde Maximum müsste es sein.

50% Einbußen bei der Ernte. Rissige Erde. Trockengefallene Flüsse. Man nennt das wohl Versteppung. Wie lange wird es noch dauern, bis dieses Wort im Zusammenhang mit Europa in der Berichterstattung auftaucht?

Aber das Wasser kommt doch noch aus dem Hahn, kühl und sauber, aufgeschäumt von der Düse, durch die es fließt, in potenziell unbegrenzter Menge. Hier, in dieser Großstadt. Zwei- oder dreimal am Tag duschen, verschwitzte Kleidung waschen, den Staub wegputzen, trinken mit Minze und Zitrone, kochen, kein Problem. Wie lange noch?

Und ich hab‘ auch noch diese Liebe dazu. Tauche ein, lasse mich tragen, umarme es, lasse mich umarmen. Bewege mich fort darin, mal schneller mit Ehrgeiz, mal langsam, genüsslich, lasse mich umspielen. Das wunderschöne Hellblau, Hockney-Muster, wenn die Sonne hineinscheint, was sie ja meistens tut. Dieses stimmungsaufhellende, körperertüchtigende Vergnügen kostet mich fast nichts, es muss viel Technik, Chemie und Aufwand dahinterstecken, ich will es gar nicht so genau wissen, ich frage mich nur manchmal, wie lange noch?

Das Problem ist, dass kein kausaler Zusammenhang herstellbar ist zwischen der Verwendung erneuerbarer Energieformen, dem Fahren eines E-Autos und dem Einbauen einer PV-Anlage, dem Nicht-Fliegen und Fahrrad-Fahren und Vegetarisch-Essen und dem Wetter. Wenn wir brav sind, wartet keine Belohnung auf uns. Es wird heiß bleiben, noch heißer werden, in der Luft sind die Partikel, die ausgestoßen wurden, als ich noch jung war, als wir noch dachten, die Welt gehöre tatsächlich den Menschen und warte nur auf uns.

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